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Das Kloster St. Ursula am Villinger Bickentor besteht seit 1782. Vorher war am gleichen Platz ein Klarissinnen-Kloster, welches ebenso wie das
benachbarte Dominikanerinnen- Kloster in der Bärengasse durch Erlass Kaiser Joseph II. von Österreich aufgehoben wurde. Er duldete keine beschaulichen Klöster, allenfalls dem Allgemeinwohl dienen
tätige Ordensgemeinschaften. Das Ende für die einen wurde zum Neubeginn für die anderen.
Es kamen zwei „Ursulinerinnen“ aus Freiburg im Breisgau, wo es seit 1692 diese Lehrschwestern gab. Sie kamen auf Bitten der Stadtväter, die ihnen die
Mädchen- bildung in der Stadt anvertrauen wollten; damit sollte zugleich auch die klösterliche Tradition am Bickentor, die immerhin 542 Jahre bestanden hatte, fortgesetzt werden.
So kam es 1782 zur Gründung eines Lehr- und Erziehungsinstituts.
Die neu eingeführte Schulart war die "Normalschule", die auf Anregung der Kaiserin Maria Theresia im damals österreichischen Villingen zurückgeht.
Der Name ist in der sogenannten "Ecole Normale" in der Schweiz bis heute geblieben. Es waren Muster- schulen, verbunden mit Kursen zur Ausbildung von Lehrerinnen. Die Fächer waren: Lesen,
Schreiben, Rechnen, Religion, Handarbeit, sehr bald auch Französisch.
Was die Stadtväter von Villingen bewogen hatte für die Mädchen ihrer Stadt zu tun, war auch das Herzensanliegen der Gründerin des Lehrordens der Ursulinen zu
Beginn des 17. Jahrhunderts gewesen: Anne de Xainctonge begann in Dole in Frankreich mit ihren Gefährtinnen, den Bildungsnotstand der Mädchen und Frauen der ärmeren Schichten durch die Einrichtung von
Schulen zu bekämpfen.
Sehr bald wurde der Schule in Villingen ein Internat ("Kosthaus") angegliedert. Die Zahl der Lehrschwestern nahm zu. So grenzten sich zwei
Aufgabenbereiche nebeneinander ab: Der Unterricht in der öffentlichen Schule, aus der später die Mädchenvolksschule hervorging, und die Unterweisung im Institut, die den internen Schülerinnen galt nach
eigenen Lehrprogrammen, mit denen man den Erwartungen der Eltern und den Bedürf- nissen der Zeit zu entsprechen suchte.
Die Mädchenschule zwischen Bärengasse und Klosterring, die heutige Klosterring- schule, durchliefen durch Generationen alle Mädchen und späteren Frauen
der Stadt. Weil das ehemalige Dominikanerinnenkloster nicht mehr ausreichte für die nötigen Schulräume, finanzierten Kloster und Stadt anfangs des Jahrhunderts den Erweiterungs- bau im Klosterring. In
den ersten drei Jahrzehnten konnten die Lehrschwestern alle Stellen besetzten, sie wurden Staatsbeamtinnen und fanden genügend Nachwuchs aus den Reihen ihrer ehemaligen Schülerinnen und Zöglingen, die
Freude am Lehrberuf hatten. St.Ursula konnte eine Art Lehrerinnenseminar einrichten, das sogenannte "Kleine Seminar". Professoren des Gymnasiums Villingen bereiteten die
Lehramts- kandidatinnen auf das in Konstanz oder Freiburg abzulegende Examen vor. Auch die Rektorenstelle war von einer Schwester besetzt, bis das Kloster zugunsten eines Familienvaters ausdrücklich
verzichtete. Noch in den Fünfzigerjahren war nach der Nazizeit wieder eine Schwester Konrektorin. Nach der Jahrhundertwende erreichte die Zahl der Schwestern mit ca. 90 Mitgliedern den Höchststand. 1950
waren es noch über 70, etwa 50 aktive und pensionierte Lehrerinnen und 20 Schwestern, die in der Hausarbeit oder in der Landwirtschaft tätig waren.
An Gebäuden konnte in der Bickenstraße 1841 das an den barockisierten Bau, an- schließende sogenannte "Backsteinhaus" erworben
werden, weil sich das Internat oder Pensionat vergrößert hatte. Das dritte Gebäude kam später hinzu.
Wo heute die Turnhalle steht befand sich bis 1960 eine Scheune als Überbleibsel der längst aus der Stadt ausquartierten Landwirtschaft. So lange
musste der Turnunterricht in den öffentlichen Turnhallen untergebracht werden. Gymnastik und Bewegungsspiele hielt man auch im heutigen Musiksaal ab, der mit dem anschließenden Klassenzimmer einmal einen
einzigen Raum mit Theaterbühne gebildet hatte. An der Bärengasse gehörte ein schmales Häuschen zum Kloster. Darin wohnten Schwestern. Nach dem zweiten Weltkrieg stellte man den Redemptoristenpatres als
Bleibe zwischen ihrer Missionsarbeit und als Vorstufe eines damals geplanten Klosters hier oder in Triberg das Häuschen zur Verfügung. Als daraus nichts wurde und St.Ursula noch das anschließende
Häuschen kaufen konnte, riss man beide ab und baute 1970/72 das kleine Schulhaus, heute als „Neubau“ bezeichnet.
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